#Nuernberg: Kinder essen giftigen »Genstar tinctoria« (Ginster)

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Tags:  Kinder privat

Problem

Am Freitag gegen 13:00 Uhr ruft der Kindergarten an und teilt mit, unser Kind hätte, neben Anderen, Ginster gegessen. Laut Auskunft der Giftnotrufzentrale des Klinikums Nürnberg ist Ginster in »alle Organen« giftig, besonders der Samen. Zur Info schicket sie folgende Information per Mail, die wir dann auch vom Kindergarten ausgedruckt bekommen, als wir unser Kind holen.

Ginster NAME Genista tinctoria

GIFTIGE TEILE UND INHALTSSTOFFE alle Organe: Cytisin (am meisten im Samen)

SYMPTOME LAUT LITERATUR Erbrechen, Leibschmezen, Übelkeit, Speichelfluss, Herz- und Kreislaufstörungen sowie Benommenheit, Bewusstlosigkeit, Krampfanfälle

ERFAHRUNGEN DER BGIFT BERLIN 1965-1991: 38 Fälle Kinder aßen Samen und Blüten, seltener Blätte. In 21% der Fälle traten Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall und Unruhe auf.

TOXIZITÄT giftig, bei Einnnahme größerer Mengen ist eine schwere Symptomatik möglich

THERAPIE wenn kein spontanes Erbrechen auftritt: ab 3 Samen primäre Giftentfernung, Kohlegabe sonstige Therapiemaßnahmen: nikotinähnliche Wirkung beachten und ggf. therapieren

ANMERKUNGEN Fruchthülse enthält 6-10 Samen gelbe Blüten stehen in endständigen Trauben dornenloser Strauch, bis 1m hoch

VERWEIS Fabaceae; Schmetterlingsblütler; Pflanzen giftig

SYNONYME Faernerginster; Gilbbluemli; Ginster

Entwarnung

Um es kurz zu machen, dem Großen geht es gut, er hat nach Anweisung des Giftnotrufes Kohletabletten bekommen und diese, unter Weinen und Zetern, tatsächlich in Wassergelöst, eingenommen. Gefühlt war er den Rest des Tages sehr hibbelig, hat aber weder Erbrochen, noch irgendwelche andere Symptome gezeigt. Außer natürlich der Verstopfung von den Massen an Kohletabletten.

Offene Fragen

Jetzt stellen sich mir noch immer drei Fragen:

  1. Warum bitte wächst im Garten eines Kindergartens giftiges Zeug?
  2. Warum können bis zu 10 Kinder das giftige Zeug essen, ohne dass es einer Aufsichtsperson auffällt?
  3. Warum braucht der Kindergarten über eine Stunde uns telefonisch zu benachrichtigen?

Antworten

  • zu 1. Das konnte mir bisher niemand beantworten.
  • zu 2. Der Leiter des Kindergarten versichert, dass es nicht ins Konzept des Kindergarten passen würde die Kinder permanent zu beaufsichtigen. Der Kindergarten lebt ein »teiloffenes Konzept« und es sein sinnvoll die Kinder eigenverantwortlich spielen zu lassen und den Kindern Raum zu geben, sich zu entwickeln.
  • zu 3. Man hätte je mit mehr Eltern telefonieren müssen!

Meine Meinung:

  • zu 1. Hm, dann sollten die evtl. mal einen fragen, der sich mit so etwas auskennt. Einen Gärtner, der weiß dass er einen Kindergarten begrünen soll.
  • zu 2. IMHO höre ich diese Geschichte vom »teiloffenes Konzept« immer nur dann, wenn den Erzieher(innen) keine Antwort auf unbequeme Fragen mehr einfällt. Es war nicht der erste Vorfall bei dem ich das Gefühl hatte, das Team würde seinen Aufgaben nicht gerecht werden! Außerdem kann man, denke ich, so eine Konzept nur fahren, wenn die Rahmenbedingungen stimmen - was mich irgendwie wieder zu erstens führt.
  • zu 3. Waren es wirklich nur zehn betroffene Kinder? Dann hat da offensichtlich jemand telefoniert, der Gespräche handvermittelt haben wollt, oder?

Wie geht's weiter?

Erfahrungsgemäß wird sich bei uns nicht mal jemand entschuldigen! Tja, das halbe Jahr, das unser Großer noch bis zur Schule unterwegs ist, werden wir irgendwie noch rum bekommen müssen aber, dem Ruf, der diesem Kindergarten vorauseilt wird er jedenfalls nicht (mehr) gerecht! Auch wenn ein Kindergarten Grundschullehrer(innen) in verzückte Lobhudelei verfallen läßt, ist das offensichtlichen Garant für Qualität!

Jetzt bleibt eigentlich nur die Frage, welcher Kindergarten unseren Zweiten behüten darf?

Grüße, Thomas

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