Fallende Kraftstoffpreise, toll! Oder doch nicht?

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Beobachtung

Mir ist klar, ich erzähle Euch nichts neues, wenn ich schreibe, dass Kraftstoffe so billig wie seit (angeblich) 25 Jahren nicht mehr sind. Selbst das Zweite Deutsche Fernsehen, hat in seiner Tagesschau den Kraftstoffpreisen eine Meldung gewidmet. Das hat es schon lange nicht mehr gegeben, vor allem, weil Kraftstoffe "weniger teuer" (nein, billig war mal, das mag ich nicht schreiben!) und nicht wie früher immer teuerer geworden sind. Aktuell sieht das bei uns in Nürnberg so aus:



Die Entwicklung der Kraftstoffpreise ist jetzt schon seit spätestens Mitte 2014 so. Aber selbst seit Ende Quartal 3 2013 gab es nur wenige Ausreißer nach oben. So lässt es sich jedenfalls aus meinen Tankaufzeichnungen erkennen:

Eigentlich

...sollten wir als Verbraucher uns darüber ja freuen - eigentlich.
Unser täglicher Weg an den Arbeitsplatz wird günstiger, Heizkosten fallen, das produzierende Gewerbe freut sich, weil Güter günstiger hergestellt werden können. Alles sollte billiger werden...
Leider habe ich Zweifel, dass das wirklich gut ist. Jetzt will ich mich gar nicht damit auseinander setzen, dass Venezuela pleite ist, weil es wirtschaftlich zum überwiegenden Teil vom Rohölverkauf lebt, das Russland für einen einigermaßen ausgeglichenen Haushalt angeblich um die 75,--$ pro Barrel braucht. Die Liste der Staaten, die eigentlich einen höheren Preis brauchen, ist sicher länger, aber gerade liegt der Barrel bei ca. 50,--$.

Nein, ich bin ja bekennender Egoist! Und deshalb interessiere ich mich nicht wirklich für die weltpolitischen Probleme, die aus einem zu niedrigen Ölpreis entstehen, sondern ich frage mich, ob der Ölpreis nicht letztlich viele Umweltschutz-Themen kaputt macht. W&aumlhrend vor kurzem noch beim Autokauf Energieeffizienz eine große Rolle spielte, man versuchte auf Öffis umzusteigen, oder sogar das Fahrrad nahm, ist das jetzt nicht mehr wichtig. Heizöl und Erdgas sind auch erschwinglicher als noch vor kurzem und unsere Idee, Strom alternativ zu gewinnen, steht wenigstens in Bayern schon wieder auf der Kippe. Herr Seehofer denkt ja laut darüber nach, Strom mit Erdgas zu erzeugen.

Aber

...auch wenn es gerade nicht so aussieht, fossile Brennstoffe sind endlich! Irgendwann, in nicht allzu ferner Zukunft, ist das Zeug aufgebraucht. Wir benutzen jetzt schon zweifelhafte Methoden (Fracking) und kaufen von politisch zweifelhaften Ländern (Saudi Arabien). Ausserdem ist in fossilen Brennstoffen Kohlendioxid gebunden, dass beim verbrennen frei wird und unsere Atmosphäre belastet. 2014 war seit Aufzeichnungsbeginn das durchschnittlich wärmste Jahr. Das ist bestimmt nur Zufall, aber wo gehen wir mit den Treibhausgasen hin, wenn wir das ganze fossile Zeug verbrannt haben?

Vielleicht

...sollte der Barrel Rohöl doch lieber nicht für unter 100,--$ verkauft werden, jetzt da wir alle verstanden hatten, dass Rohöl teuer ist, sind wir damit doch auch entsprechen sparsam umgegangen, oder? Und wenn wir wirklich vernünftig sein wollen, dann geht das doch anscheinend nur, wenn uns andernfalls jemand an den Geldbeutel will. Weil bequem(er) ist so eine Dieselkutsche ja auf jeden Fall!

Nachdenkliche Grüße,
Thomas

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